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Учебно-методическое пособие уфа 2002 Печатается по решению редакционно-издательского cовета Башкирского государственного педагогического университета удк 803. 0





МИНИСТЕРСТВО ОБРАЗОВАНИЯ РОССИЙСКОЙ ФЕДЕРАЦИИ

БАШКИРСКИЙ ГОСУДАРСТВЕННЫЙ ПЕДАГОГИЧЕСКИЙ УНИВЕРСИТЕТ


LEXIKOLOGIE

DER DEUTSCHEN SPRACHE


ЛЕКСИКОЛОГИЯ НЕМЕЦКОГО ЯЗЫКА


Учебно-методическое пособие


УФА 2002



Печатается по решению редакционно-издательского cовета Башкирского государственного педагогического университета

УДК 803.0

ББК 81.43.24–3

Л 43


Лексикология немецкого языка: Учебно-методическое пособие / Сост. С.М.Хантимиров. - Уфа: Изд-во БГПУ, 2002. – с.


В пособии рассматриваются основные проблемы лексикологии немецкого языка как учебной дисциплины. Пособие снабжено упражнениями, тестами, терминологическим словарем, вопросами для самоконтроля, предназначено для студентов III курса факультета иностранных языков.


Автор-составитель: С.М.Хантимиров, канд. филол.н., доц.


Рецензенты: С.Ж.Нухов, д-р филол.н., проф.;

Р.И.Виноградова, канд. филол.н., доц.


ISBN 5–87978–198–4


© Издательство БГПУ, 2002


Введение

Признанная лингвистами во второй половине XX века в качестве самостоятельной лингвистической дисциплины, лексикология изучается студентами-германистами наряду с такими теоретическими дисциплинами, как теоретическая грамматика, история языка, теоретическая фонетика, стилистика и т.д.

Данное пособие по лексикологии современного немецкого языка предназначено для студентов-заочников отделения немецкого языка, но может быть рекомендовано в качестве дополнительной литературы и для студентов очной формы обучения. В пособии в сжатой, удобной для восприятия форме изложены основные вопросы лексикологии, в которых, в соответствии с образовательным стандартом и учебной программой, должны хорошо разбираться студенты-германисты. В девяти главах настоящего пособия, среди прочего, освещаются такие проблемы, как предмет лексикологии, её основные разделы, статус слова как основной единицы языка, основные признаки слова, типы словесного значения, вопросы синонимии, антонимии, омонимии, полисемии, родо-видовые отношения, многообразные изменения в значениях слова, в том числе перенос значения, его сужение и расширение, ухудшение и улучшение значения, устаревшие формы значений, неологизмы; заимствования из других языков, их типы и формы, пуризм, социальная и территориальная неоднородность немецкого вокабуляра, основные способы словообразования, статус и разновидности устойчивых словосочетаний в ЛСС немецкого языка, основные типы словарей.

Каждая глава содержит терминологический словарь, вопросы для самоконтроля, ряд упражнений и тестовые задания, которые позволят студентам более эффективно организовать процесс изучения и усвоения лексикологии как учебной дисциплины.


^ Kapitel 1. Das Wort als sprachliches Zeichen. Die Wortbedeutung



    1. Lexikologie als Wissenschaft


Die Sprache als gesellschaftliche Erscheinung, als Mittel der Verständigung der Menschen ist der Gegendstand mehrerer linguistischer Wissenschaften. Die Lexikologie ist eine selbstständige sprachliche Wissenschaft. Der Terminus Lexikologie ist griechischen Ursprungs, der auf zwei Wörter zurückzuführen ist: lexis – ‚das Wort’, logos – ‚Kunde’. Lexikologie bedeutet buchstäblich die Lehre vom Wort, Wortkunde. Die Lexikologie als Lehre vom Wortschatz untersucht den Wortschatz als System, und zwar als lexisch-semantisches System, das ein Teilsystem der Sprache bildet. Zu den wichtigsten Problemen, mit denen sich die Lexikologie befaßt, gehören: Wort als eine grundlegende Spracheinheit, seine Wesensmerkmale, Wortbedeutung, Struktur des Wortschatzes als System und Beziehungen zwischen seinen Elementen, Schichtung (soziale und territoriale) des Wortschatzes, mannigfaltige Veränderungen im Wortbestand, und Quellen der Wortschatzerweiterung (Bedeutungswandel, Entlehnungen, Wortbildung, feste Wortkomplexe usw.)

Zu den Teildisziplinen der Lexikologie gehören:

  1. Onomasiologie = Bezeichnungslehre ist die Wissenschaft von der Nomination;

  2. Semasiologie = Wortbedeutungslehre: Wissenschaft von den Wortbedeutungen;

  3. Wortbildungslehre – die Lehre von der Bildung der neuen Wörter nach bestimmten Modellen;

  4. Phraseologie ist die Lehre von festen Wortverbindungen;

  5. Lexikographie ist eine Wissenschaft, die sich mit dem Zusammenstellen (Theorie und Spraxis) von Wörterbüchern beschäftigt. Lexikographie arbeitet die Theorie der Zusammenstellung von Wörterbüchern aus und begründet wissenschaftlich die Typen der Wörterbücher. Lexikographie beschäftigt sich auch mit dem Sammeln, Einordnen und Charakterisieren des Wortschatzes von verschiedenen Gesichtspunkten aus (vom Standpunkt der Herkunft, der Bedeutung, der Schreibweise usw.);

  6. Onomastik ist die Lehre von den Eigennamen;

  7. Etymologie – Wortgeschichte.




    1. Das Wort als Grundeinheit der Sprache




      1. Grundsätzliches zum Wort als sprachliches Zeichen


Das Wort kann als grundlegende Einheit der Sprache bezeichnet werden, die in der Sprache Schlüsselpositionen einnimmt. Diese bilaterale sprachliche Einheit existiert in zwei Modifikationen – als virtuelles polysemes Zeichen (gehört zur nominativen Tätigkeit) im Vokabular und als aktuelles Zeichen im Text (gehört zur syntagmatischen Tätigkeit, zum kommunikativen Bereich der sprachlichen Tätigkeit). Als Einheit der Sprache kann das Wort als potenzielles Zeichen und als Einheit der Rede als aktualisiertes Zeichen, als Textelement bezeichnet werden.

Folgende Äußerung von A.I. Smirnizki beweist, wie groß die Rolle des Wortes im Mechanismus der Sprache ist: «Человеческий язык нередко называют языком слов: ведь именно слова, в их общей совокупности, как словарный состав языка, являются тем строительным материалом, без которого не мыслим никакой язык; и именно слова изменяются и сочетаются в связной речи по законам грамматического строя данного языка. Таким образом, слово выступает как необходимая единица языка и в области лексики (словарного состава), и в области грамматики (грамматического строя), и, поэтому, слово должно быть признано вообще основной языковой единицей: все прочие единицы языка (например, морфемы, фразеологические единицы, какие-либо грамматические построения) так или иначе обусловлены наличием слов и, следовательно, предполагают существование такой единицы, как слово».

Unser Denken spiegelt die objektive Wirklichkeit wider. Diese Widerspiegelung ist eng mit der Sprache verbunden. Der Mensch nimmt die Wirklichkeit mit Hilfe seiner Sinnesorgane wahr. Dank seiner praktischen Tätigkeit entstehen im Bewußtsein des Menschen Begriffe von Gegenständen und Erscheinungen der objektiven Wirklichkeit. Der Begriff ist der Gedanke vom Gegendstand.

Der Begriff ist also eine Stufe der Erkenntnis; das ist Widerspigelung der uns umgebenden objektiven Wirklichkeit in unserem Bewußtsein. Der Begriff ist eine bestimmte Vorstellung, die durch Zusammenfassung der allgemeinen und wesentlichen Merkmale eines Gegenstandes oder einer Gruppe von Gegenständen durch eine sprachliche Einheit ausgedrückt wird. Der Begriff existiert im Wort als seine Bedeutung. Die Bedeutung ist der Inhalt des Wortes. Der Begriff ist eine logische Kategorie, das Wort aber ist eine sprachliche Kategorie. Die Bedeutung des Wortes und der Begriff bilden eine Einheit. Sie sind aber keinesfalls identisch, denn die Bedeutung des Wortes drückt einen Begriff aus, deckt ihn aber nicht völlig. Das Wort als Einheit von Form und Bedeutung entsteht im Prozeß des Bezeichnens eines Gegenstandes, einer Erscheinung, einer Eigenschaft, eines physischen Prozesses, einer Empfindung usw.


      1. Wortdefinition


Es wurden viele Versuche gemacht, eine richtige und genaue Definition des Wortes zu geben. Die Hauptschwierigkeiten entstehen aber im Zusammenhang mit gewissen Widersprüchen im Wesen des Wortes selbst, besonders durch die Beziehungen zu seinen „benachbarten“ sprachlichen Einheiten – zum Morphem und zum syntaktischen Wortgefüge; durch die Möglichkeit, es von verschiedenen Seiten aus zu betrachten. Von Thea Schippan stammt der Vorschlag das Wort auf jeweils einer Ebene zu definieren: auf den lexikalisch-semantischen, morphematischen, phonologischen, graphemischen und syntaktischen Ebenen. Für die Zwecke der Wortbedeutung definiert Th. Schippan das Wort „als lexisch-semantische Einheit, als kleinster relativ selbständiger Bedeutungsträger, dessen Formen durch die zugrunde liegende gemeinsame lexikalische Bedeutung zu einem Paradigma vereint sind, das als Bestandteil des Systems (als „Wörterbuchwort“) als graphemische und phonemische Einheit auftritt. Vom E.M. Galkina-Fedoruk wird das Wort folgenderweise bestimmt: Das Wort enthällt zugleich das Materielle und das Ideelle. Das Materielle im Wort ist die lautliche Gestaltung, das Ideelle - die Bedeutung des Wortes, der die Erscheinungen der objektiven Wirklichkeit widerspiegelnde Begriff. Das Wort ist einerseits das Bild, die Widerspiegelung der Wirklichkeit, die in der lautlichen Form realisiert wird, andererseits die Gestaltung der Vorstellung und des Begriffes. Das Wort ist also die Existenzform des Begriffes im Denken.

Das Wort ist also eine lexikalische Einheit, die kleinste Haupteinheit der Sprache, die aus der morphologischen Struktur, der Lautform (der phonetischen Form) und der Bedeutung besteht, das heißt die Lautform und die Bedeutung werden im Wort morphologisch organisiert. Das Wort wird als Einheit des lautlichen Komplexes und der Bedeutung betrachtet. Die Lautform (der Lautkomplex) jedes Wortes ist im Gegensatz zum Begriff nur ein Zeichen und kein Spiegelbild des Gegenstandes, deshalb verkörpern verschiedene Lautformen verschiedener Sprachen ein und denselben Begriff: dt. Baum, rus. дерево, engl. tree usw.


      1. Funktionen des Wortes


Der funktionale Bereich des Wortes ist sehr groß. Er reicht vom Morphem bis zu der rein kommunikativen Einheit, der Äußerung. Dank dieser Polyfunktionalität, leichten Wandlungsfähigkeit bald in den Teil einer Wortgruppe oder einen Satz nimmt das Wort in der Struktur der Sprache eine nur ihm eigene Stellung ein. Das Wort übt in der Sprache folgende Funktionen aus:

  1. signifikative (verallgemeinernde) Funktion;

  2. kognitive Funktion (Speicherung des menschlichen Wissens, auch Erkenntnisfunktion);

  3. kommunikative Funktion (das wichtigste Mittel der Kommunikation ist die Sprache, das Wort teilt etwas mit);

  4. konnotative (pragmatische) Funktion.

Dank seiner Eigenschaft, mehrere Funktionen wechselseitig erfüllen zu können, kann das Wort als das universelste und zugleich als ein spezifisch organisiertes sprachliches Zeichen charakterisiert werden.


      1. Wesensmerkmale des Wortes


Nach Th. Schippan ist das Wort:

1. reproduzierbar; 2. hat den bilateralen Charakter (besteht aus Formativ und Bedeutung); 3. ist Abbild der realen Wirklichkeit; 4. kann als Systemwort charakterisiert werden (paradigmatische und syntagmatische Beziehungen).

Jedes Wort ist durch bestimmte phonetische und morphologische Eigenschaften gekennzeichnet. Vom phonetischen Standpunkt ist für das deutsche Wort folgendes charakteristisch:

1. Für das deutsche Wort ist die dynamische Betonung kennzeichnend. Die Hauptbetonung fällt gewöhnlich auf die erste Silbe: ´Arbeit, ´Arbeiter, dabei existiert auch eine Nebenbetonung: ´arbeits‚los.

2. Die stimmhaften Konsonanten im Auslaut und im Silbenauslaut werden stimmlos ausgesprochen: Tag [ta:k], Land [lant], Problem [proplem].

3. Im Anlaut erscheint der Knacklaut, wenn das Wort mit einem Vokal beginnt: Antwort, Ofen, Uhr.

4. Die Vokale werden in der unbetonten Silbe reduziert ausgesprochen: genommen [g∂´nom∂n].

Vom morphologischen Standpunkt aus besteht das Wort aus Morphemen, den kleinsten bedeutungstragenden Teilen des Wortes: Arbeit│er, Be│sprech│ung, Flug│zeug. Die moderne deutsche Sprache besitzt lexikalische (Wurzel- und Derivationsmorpheme) und grammatische (Suffixe und Flexionen) Morpheme, die in bestimmten Beziehungen zueinander stehen. Das Wurzelmorphem mit dem Derivationsmorphem bilden den lexikalischen Stamm des Wortes (Lehrer, täg-lich). Der lexikalische Stamm kann auch zusammengesetzt sein (Lehrerzimmer). Zu den Morphemen gehören Affixe (Suffixe, Präfixe): Lehr-er, Ur-wald. Solche Affixe sind wortbildende (lexikalische) Morpheme, aber man unterscheidet noch formbildende (grammatische) Morpheme: stärk-er, mach-te, ge-gang-en. Also können Morpheme entweder zur Wortbildung, oder zur Formbildung dienen.


        1. ^ Arten der Wörter


Man kann verschiedene Arten von Wörtern unterscheiden: 1) Autosemantische Wörter sind relativ selbständige, begriffliche Bedeutung tragende Einheiten, die benennen und damit das Einzelne der Klasse zuordnen: Substantive, Verben, Adjektive, Adverbien, bestimmte Präpositionen und Konjunktionen; 2) Synsemantische Wörter (Hilfswörter, Funktionswörter) besitzen keine lexikalisch-semantische Selbständigkeit, sondern dienen ausschließlich der Organisation des Textes (der Rede), indem sie Beziehungen zwischen den sprachlichen Elementen herstellen, verflechtende oder verweisende Funktionen haben: Hilfsverben, Artikel, Präpositionen und Konjunktionen (z. B. daß, auf, für, über usw).

Wort und Lexem. Alle Wortschatzelemente, die die Form von Wörtern haben, nennt man Lexeme; Wortschatzelemente, die in Form von Wortverbänden auftreten, werden als Paralexeme bezeichnet: fix und fertig, Antwort geben, zum Ausdruck bringen, goldene Hochzeit usw.


    1. ^ Bedeutung des Wortes




      1. Allgemeines


Das Wort ist lexikalische Einheit von Lautform und Inhalt (Bedeutung). Die Lautform eines Wortes kann nicht ohne Bedeutung existieren und die Bedeutung ihrerseits nicht ohne lautliche Hülle. Die Bedeutung des Wortes ist sein Inhalt, das Ideelle, das in eine lautliche materielle Gestalt (Form) eingeschlossen ist. Die Bedeutung bezeichnet einen Gegendstand oder eine Erscheinung der Wirklichkeit, sie ist ein gesellschaftlich determiniertes, interindividuelles Abbild der Merkmalstruktur einer Erscheinung der objektiven Realität. Die Bedeutung des Wortes ist die Äußerung des Begriffes. Die Bedeutungen der Wörter drücken echte (Erde, Regen usw.) oder unechte (Gott, Teufel, Hexe usw.) Begriffe von der Wirklichkeit aus. Der Begriff und die Bedeutung sind nicht identisch, sie verändern und entwikeln sich nach ihren eigenen Gesetzen. In seiner Entwicklung vermittelt der Begriff dem Menschen eine immer tiefere Erkenntnis der realen Wirklichkeit. Die Bedeutung entwickelt sich aber in den einzelnen Sprachen oft unabhängig von der Entwicklung des zugrunde liegenden Begriffs, deshalb können Wörter, die gleiche Begriffe ausdrücken, in verschiedenen Sprachen verschiedene Bedeutungen erhalten.

Widerspiegelungsobjekte nennt man Denotate. In der Wortbedeutung verfestigen sich die vom menschlichen Bewußtsein abgebildeten Wesensmerkmale von Denotaten (Gegenständen, Prozessen, Eigenschaften) und Beziehungen zwischen ihnen. Diese Merkmale sind zu einer semantischen Einheit, einem Semem, zusammengeschlossen. Ein Semem ist eine dem Formativ (Lautform) zugeordnete Bedeutungseinheit (Semem = Bedeutung).


      1. ^ Die Motiviertheit der Wortbedeutung


Die Motivation oder die Motiviertheit ist die Beziehung zwischen Formativ (Lautkörper) und Bedeutung, wenn die Wahl des Formativs durch bestimmte Eigenschaften des Benennungsobjekts bedingt ist. Das Merkmal, das der Bezeichnung des Wortes zugrunde liegt, nennt man gewöhnlich die innere Form des Wortes: die innere Form des Wortes Mittag birgt in sich den Zeitbegriff (Mitte des Tages). Dieser Terminus geht auf W. Humboldt zurück, wurde in der vaterländischen Sprachwissenschaft von A.Potebnja entwickelt. Der Terminus „die innere Form“ verfügt über eine Reihe von synonymischen Bezeichnungen: Etymon, Urbedeutung, etymologische Bedeutung der Wortes . Die Motiviertheit ist um so vollständiger, je leichter sich die Anreihung in Bestandteile zerlegen läßt, wie das beispielweise in abgeleiteten oder zusammengesetzten Wörtern der Fall ist: Lehrerzimmer, Versammlung, Gebäude, Fahrer, eingehen, täglich usw. Viele Simplizia (Wurzelwörter) sind in der Synchronie nicht motiviert, die Urbedeutung läßt sich nicht deuten, sogar die historisch-etymologische Analyse führt zum Verstehen des Etymons nicht, denn das der Benennung zugrunde liegende Etymon ist längst aus der Sprache verschwunden. Hierbei handelt es sich um die Wörter mit totem Etymon. Zu solchen unmotivierten Wörtern gehören: Sache, Auge, Ohr, Wald, Berg usw. In anderen Fällen ist es nicht leicht, die Urbedeutung aufzudecken, man muß sie einer speziellen historisch-etymologischen Analyse unterwerfen. Dabei handelt es sich um Wörter mit verdunkelter Urbedeutung, und solche Wörter nennt man Wörter mit verdunkeltem Etymon: Tisch vom lat. discus (rund). Manche Wörter, wie oben erwähnt wurde, sind dagegen etymologisch motiviert, das heißt es ist leicht ihr Etymon zu verstehen. Solche Wörter mit lebendigem Etymon lassen sich leicht etymologisieren: dreizehn, Arbeiter, Schreibtisch, landen usw.

Wenn ein historisch adäquates Benennungsmotiv, das heißt die historisch adäquate innere Wortform nicht mehr eindeutig zu erkennen ist, kann auf Grund begrifflicher oder lautlicher Angleichung an durchsichtige Wörter und Wortelemente eine neue Etymologie (Volksetymologie; Fehletymologie /Pseudoetymologie) entstehen.

Die Volksetymologie ist eine semantische Motiviertheit von Wörtern, die nicht von ihrer Bildung und von genetischer Verbindung abhängt, sondern von zufälliger Angleichung dem Lautkörper und der Bedeutung bekannter Wörter. Die Volksetymologie treffen wir bei Wörtern an, die ihre ursprünglichen etymologischen Verbindungen verloren haben, oder bei Wörtern, die aus fremden Sprachen entlehnt wurden: der erste Teil des Wortes Lebkuchen ist nicht mit Leben, sondern mit der alten Bezeichnung für geformtes Brot - Laib – verwandt; der Name Erlkönig hat nichts mit dem Baum Erle zu tun, sondern verdankt seine Entstehung einem Irrtum des Dichters Herder, der das dänische ellerkonge so übersetzte. Richtig hätte es „Elfenkönig“ heißen müssen.


      1. Typen der Wortbedeutung


Die lexikalische Bedeutung ist komplexer Natur. Man unterscheidet verschiedene Typen der Wortbedeutung:

1. Die denotative Bedeutung repräsentiert eine bestimmte Erscheinung der objektiven Wirklichkeit, das heißt sie beruht auf dem Abbild dieser Erscheinung im menschlichen Bewußtsein.

2. Die signifikative Bedeutung ist die Eigenschaft des Wortzeichens als Benennung für eine Klasse von Gegenständen aufzutreten.

3. Die konnotative Bedeutung signalisiert Einstellungen, Bewertungen und emotionale Beziehungen zum Bezeichneten: fein (neutral), extrafein (positiv bewertend), stinkfein (negativ bewertend).

4. Die Hauptbedeutung, die bei isolierter Nennung des Wortes als seine erste Bedeutung im Bewußtsein der Sprachträger entsteht. Diese Bedeutung nennt man direkte, eigentliche, nominative Bedeutung.

5. Die Nebenbedeutungen, die von der Hauptbedeutung oder einer Nebenbedeutung abgeleitet sind: Fuchs „ein schlauer Mensch“, der feste Wortkomplex „nicht alle Tassen im Schrank haben“ usw. Diese Nebenbedeutungen nennt man auch sekundäre, uneigentliche, übertragene Bedeutungen.


      1. ^ Sem- oder Komponentenanalyse der Wortbedeutung


Seme sind die kleinsten linguistisch relevanten Bedeutungselemente der Wortbedeutung, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Mit ihnen werden lexikalische und grammatische Bedeutungen beschrieben. Die Seme bilden eine Hierarchie. Sie sind nach bestimmten Prinzipien geordnet. Deshalb werden volgende Seme unterschieden:

1. Kategorial–semantische Seme, die das Lexem als Wortart bestimmen: Verben drücken Prozessualität aus, Substantive – Gegendständlichkeit, Adjektive – Merkmalhaftigkeit.

2. Lexikalische/individuelle Seme, die den begrifflichen Kern der Wortbedeutung – des Semems ausmachen.

3. Differenzierende/konkretisierende Seme, die einzelne Lexeme und Sememe unterscheiden.

4. Wertende/konnotative Seme, die Einstellungen, Bewertungen und Gefühlswerte ausdrücken.


      1. Polysemie und Homonymie


Unter Polysemie (Vieldeutigkeit, Mehrdeutigkeit) versteht man die Fähigkeit eines Wortes, mehrere miteinander verbundene Bedeutungen zu besitzen und dementsprechend verschiedene Gegendstände zu bezeichnen.

Die Polysemie ist eine weitverbreitete Erscheinung in der Sprache. Die meisten Wörter der Sprache sind vieldeutig, oder polysem. Die Polysemie setzt eine Reihe verschiedener Gegenstände (Denotate) voraus, denen eine Reihe verschiedener Bedeutungen (Signifikate) entspricht. Die Polysemie stellt verschiedene Bedeutungsinhalte mit einem gemeinsamen semantischen Element dar, die durch einen einheitlichen Lautkörper ausgedrückt sind. Man spricht bei einem polysemen Wort von einem Bedeutungsgefüge, das in lexisch-semantische Varianten zerfällt. Die Polysemie gilt allgemein als semantische Universale, als zentrale Eigenschaft lexikalischer Spracheinheiten und als struktureller Grundzug der Sprache als System. Auf der Textebene erfolgt die Monosemierung der polysemen Wörter in entsprechenden Kontexten, wodurch die Kommunikation gesichert wird. Die Polysemie entsteht, weil die Sprache im Vergleich zur Wirklichkeit ein begrenztes System ist. Keine einzige Sprache kann jeden konkreten Gegenstand mit einem neuen Wort bezeichnen.

Sobald im Sprachbewußtsein vom Sprachträger der Zusammenhang der verschiedenen Bedeutungen mit der Hauptbedeutung des Wortes verlorengeht, verselbständigt sich die betreffende lexisch-semantische Variante: es entsteht ein neues Wort mit einem eigenen, selbständigen Begriffskern, ein Homonym. Die Homonyme (grch. homos – „gleich“, onoma – „Name“) sind Wörter mit gleichem Lautkörper und verschiedener Bedeutung.

Es gibt zwei Hauptwege der Bildung von Homonymen: der Zerfall der Polysemie und der Zusammenfall des Klanges verschiedener Wörter oder ihrer Formen.

Die Homonymie führt oft zum Wortschwund: eines der homonymen Wörter verschwindet oder wird durch ein Synonym ersetzt.

Die Homonyme sind in folgende Untergruppen (Arten) einzuteilen:

I. Eigentliche Homonyme:

1) substantivische Homonyme mit unterschiedlichem Genus:

a) mit gleicher Etymologie:

das Band – der Band

der Bund – das Bund

der Erbe – das Erbe

b) lautlicher Zusammenfall:

der Kiefer – die Kiefer

der Tor – das Tor

die Heide – der Heide

2) Homonyme mit unterschiedlichen grammatischen Formen:

a) verbale:

hängen – hängte – gehängt

hängen – hing – gehangen

schaffen – schaffte – geschafft

schaffen – schuf – geschaffen

b) substantivische:

die Mutter (мать) – die Mütter (Pl.)

die Mutter (гайка) – die Muttern (Pl.)

das Licht (огонь) – die Lichter (Pl.)

das Licht (свеча) – die Lichte (Pl.)

II. Homoformen sind Lexeme mit gleichem Lautkörper, die zu unterschiedlichen Wortarten gehören:

der Laut – laut

der Morgen – morgen

die Käme – ich käme mich

III. Homographe (Homograme) sind Lexeme, die bei unterschiedlicher Bedeutung und Aussprache die gleiche Schreibung aufweisen:

der August (месяц август)

Άugust – имя собственное Август

IV. Homophone sind Wörter, die gleiche Aussprache bei unterschiedlicher Bedeutung und Schreibung aufweisen:

wer – das Wehr (Bundeswehr)

das Lied – das Lid


^ Termini zum 1. Kapitel


Anlaut, der начало слова

Affix, das (e) аффикс

Auslaut, der конец слова

autosemantisch автосемантический (полнозначный)

Bedeutung, die denotative значение денотативное

signifikative сигнификативное

primäre первичное

sekundäre вторичное

übertragene переносное

bedeutungstragende Einheit значимая единица

Bedeutungswandel, der изменение значения

Begriff, der понятие

bilateral двусторонний

Etymologie, die этимология (происхождение)

Entlehnung, die заимствование

Etymon, das этимон, первоначальное значение слова

Formativ, das форматив, звуковая оболочка слова

fester Wortkomplex устоичивое словосочетание

feste Wortverbindung устоичивое словосочетание

Funktion, die функция

kognitive когнитивная

kommunikative коммуникативная

konnotative коннотативная

nominative номинативная (назывная)

signifikative сигнификативная

Hauptbedeutung, die основное значение

Homonym, das (e) омоним

Homonymie , die омонимия

Homoform, die омоформа

Homograph, der омограф

Homophon, das (e) омофон

innere Fоrm внутренняя форма

Lexem, das лексема

lexikalischer Stamm лексическая основа

Lexikographie, die лексикография

Lautform, die форматив, звуковая оболочка слова

Lautkörper,der форматив, звуковая оболочка слова

Lehre, die учение

LSS, das ЛСС (лексико-семантическая система)

LSV, die (die lexisch- ЛСВ (лексико-семантический вариант,

semantische Variante) то же, что семема)

Motiviertheit, die мотивация значения слова

Mehrdeutigkeit, die многозначность

mehrdeutig многозначный

Nebenbedeutung, die второстепенное (побочное) значение

Onomasiologie, die ономасиология (изучает процесс, средства и способы номинации)

Polysemie, die полисемия

polysem полисемный

Phraseologie, die фразеология (изучает устойчивые словосочетания)

Semasiologie, die семасиология (исследует значение слова, семантическую структуру языковых знаков)

Systemwort, das системное слово

synsemantisch синсемантический (неполнозначный)

Sem, das (e) сема

Semem, das (e) семема (значение слова)

sprachliche Ebene языковой уровень/ярус

Teildisziplin, die раздел

Urbedeutung, die первоначальное значение/этимон

verdunkelt затемнённый, утративший прозрачность

Vieldeutigkeit, die многозначность

Wortbedeutung, die значение слова

Widerspiegelung, die отражение

Zeichen, das знак

аktuelles актуальный

virtuelles виртуальный


Fragen zur Selbstkontrolle


  1. Womit beschäftigt sich Lexikologie?

  2. Nennen Sie Teildisziplinen der Lexikologie und ihre Aufgaben.

  3. Nennen Sie sprachliche Einheiten.

  4. Definieren Sie das Wort.

  5. Begründen Sie die Schlüsselposition des Wortes im Sprachsystem.

  6. Nennen Sie Funktionen des Wortes, beschreiben Sie kurz jede Funktion.

  7. Erklären Sie Termini autosemantisch, synsemantisch, Lexem.

  8. Auf welche Weise sind verbunden der Begriff und das Wort?

  9. Woraus besteht das Wort als sprachliches Zeichen?

  10. Definieren Sie solche Termini, wie Semem und Sem.

  11. Was wird unter innerer Form und Motiviertheit des Wortes verstanden?

  12. Führen Sie einige Beispiele der Fehletymologie an.

  13. Welche Typen der Wortbedeutung kennen Sie?

  14. Beschreiben Sie folgende Typen der Wortbedeutung: Hauptbedeutung, Nebenbedeutung, signifikative, denotative, konnotative Bedeutung.

  15. Welche synonymischen Bezeichnungen haben Haupt- und Nebenbedeutung?

  16. Was wird unter der Semanalyse verstanden?

  17. Welche Arten der Seme kennen Sie?

  18. Was wird unter Polysemie verstanden?

  19. Was sind die Hauptwege der Polysemie?

  20. Definieren Sie Homonymie.

  21. Welche Arten von Homonymen kennen Sie?



Testaufgabe


  1. Welche Wörter können in erster Linie als autosemantisch bezeichnet werden?

a) Hilfsverben b) Substantive c) Präpositionen


  1. Was besteht aus den Semen?

a) Semem b) Morphem c) Phonem


  1. Welches Wort enthält konnotatives Sem?

a) Gesicht b) Lehrer c) Fresse


  1. Beim Wort „Tisch“ ist das kategorial-semantische Sem … zu finden.

a) der Prozesualität b) der Gegendständlichkeit c) der Merkmalhaftigkeit


  1. Im Sazt „Diese Frau ist eine giftige Schlange“ ist das Wort „Schlange“ in …Bedeutung gebraucht.

a) eigentlicher b) direkter c) übertragener


  1. Das Wort „Lehrerzimmer“ weist die … Motivation auf.

a) etymologische b) wortbildende c) phonetisch-phonemische


  1. Welche Funktion des Wortes kann als „Speicherung- und Erkenntnisfunktion“ bezeichnet werden?

a) kommunikative b) nominative c) kognitive


  1. Semasiologie beschäftigt sich mit … .

a) der Wortbedeutung b) dem Bennenungsverfahren c) festen Wortkomplexen


  1. Welche Teildisziplin befaßt sich mit den festen Wortverbindungen?

a) Semasiologie b) Phraseologie c) Onomasiologie


  1. Welche sprachliche Einheit kann als bilateral bezeichnet werden?

a) das Wort b) das Phonem c) das Sem


  1. Was wird unter innerer Form verstanden?

a) Lexem b) Semem c) Motivation


  1. Im Sprachsystem wird das Wort als … Zeichen betrachtet.

a) relatives b) aktuelles c) virtuelles


  1. Was wird als das kleinste Bedeutungselement der Wortbedeutung definiert?

a) Phonem b) Sem c) Semem


  1. Welche Bedeutung repräsentiert eine bestimmte Erscheinung der objektiven Wirklichkeit?

a) signifikative b) konnotative c) denotative


  1. Was ist kein bilaterales sprachliches Zeichen?

a) Wort b) Morphem c) Phonem


  1. Als Hauptbedeutung des polysemen Wortes “Schlange” gilt ... .

  1. die Schlange (lange Reihe wartender Menschen)

  2. die Schlange (Schuppenkriechtier)

  3. die Schlange (falsche, hinterhältige Frau)




  1. Die Wörter der Erbe und das Erbe sind:

  1. Homophormen

  2. Homonyme mit lautlichem Zusammenfall

  3. Homonyme mit gleicher Etymologie




  1. Die Wörter das Lied und das Lid gehören zu den ... .

  1. Homographen

  2. eigentlichen Homonymen

  3. Homophonen




  1. Die Wörter der Laut und laut bezeichnet man als ... .

a) Homophone b) Homographe c) Homophormen


  1. Die Wörter der Aug′ust (месяц) und Άugust (имя собственное) sind ... .

  1. eigentliche Homonyme

  2. Homographe

  3. Homophone


21. Welcher Terminus ist als parallele Bezeichnung des Terminus „Motivation“ anerkannt?

a) Semasiologie b) Wortbedeutung c) innere Form


22. Welche Termini bezeichnen den gleichen Begriff?

a) Sem und Semem

b) Onomasiologie und Semasiologie

c) Etymon und Urbedeutung


23. Welches Wort weist unverdunkelte Motiviertheit auf?

a) Tischler b) Fenster c) Mutter


24. Welches Wort weist verdunkelte Motiviertheit auf?

a) Lehrer b) Flieger c) Feder


25. Bei welchem Wort ist die innere Form nicht zu bestimmen?

a) Arbeitszimmer b) Freiheit c) Mond

Kapitel 2. Paradigmatische und syntagmatische Beziehungen im lexisch-semantischen System


2.1. Paradigmatische Beziehungen im LSS


Unter System versteht man „ein Ganzes“, eine Menge von Elementen, zwischen denen bestimmte Beziehungen bestehen. Unter lexisch-semantischem System wird ein „Ganzes“ von Lexemen verstanden, die durch paradigmatische Beziehungen zu einer Einheit verknüpft werden.

Das LSS ist ein offenes System. Es gibt 5 Grundtypen der Bedeutungsbeziehungen im Wortschatz:

1. Bedeutungsgleichheit: anfangen – beginnen;

2. Bedeutungsähnlichkeit (Synonymie im engeren Sinne): klug – gescheit, hören – vernehmen;

3. Bedeutungsgegensatz (Antonymie): lang – kurz, früh – spät;

4. Bedeutungsüberordnung und –unterordnung (Hyperonymie und Hoponymie): Möbel – Tisch, Stuhl, Sessel, Schrank usw.

5. Unvergleichbarkeit (Inkomparabilität): Mensch – Fenster.

Unter paradigmatischen Beziehungen versteht man Beziehungen der Einheiten, die durch die Relation der Opposition verbunden sind. Paradigmatische Beziehungen bestehen zwischen Einheiten, die in ein und demselben Kontext auftreten können und sich in diesem Kontext gegenseitig bestimmen oder ausschließen.


2.1.1. Bedeutungsähnlichkeit/Bedeutungsgleichheit


Synonyme werden gewöhnlich Wörter genannt, deren Bedeutung ähnlich oder identisch ist. Der Terminus „Synonym“ ist griechischen Ursprungs, wo das Wort synonymos „gleichnamig“ bedeutete. Unter Synonymen werden also sinnverwandte Wörter mit verschiedener lautlicher Form und ähnlicher oder gleicher Bedeutung, die einen und denselben Begriff oder sehr ähnliche Begriffe ausdrücken.

Synonyme unterscheiden sich voneinander:

  1. durch Schattierungen der Bedeutung: schnell drückt nicht ganz dasselbe wie hastig aus (hastig bezieht sich nur auf Menschen);

  2. durch verschiedenen kontextuellen Gebrauch: nicht immer lassen sich ledig, los und frei gegenseitig ersetzen;

  3. durch stilistische Färbung: fressen, essen, speisen, wo essen neutral, fressen grob, speisen gehoben gefärbt sind.

Für Synonymie ist in erster Linie nicht die Bedeutungsidentität, sondern die Bedeutungsbeziehungen der Ähnlichkeit relevant. Diese Synonymie basiert sich auf den Bedeutungsbeziehungen der Ähnlichkeit, dabei verfügen synonymische Lexeme über gleiche wesentliche Seme (Bedeutungselemente) und unterscheiden sich nur in sekundären Semen, die konkretisierend, regional, wertend-stillistisch usw. sein können.

Die Wege der Entstehung von Synonymen sind sehr mannigfaltig. Dazu können gezählt werden:

  1. Die Wortbildung schafft manche Synonyme: Opernglas und Operngucker;

  2. Durch Entlehnung (заимствование) können auch Synonyme entstehen: Bukett – Strauß, Armee – Heer;

  3. Verdeutschungen: Radio – Rundfunk, Coupe – Abteil, Kondukteur – Schaffner;

  4. Der Bedeutungswandel (изменение значения): Stube – Zimmer (ahd. Stuba bedeutete ursprünglich „Ofen“, dann „Raum mit einem Ofen“, jetzt „ein beliebiges Zimmer“);

  5. Euphemistische Umschreibung: lügen – fantasieren, Teufel – der Böse;

  6. Die Entwicklung von festen Wortkomplexen: in Hülle und Fülle leben = reich sein;

  7. Das Eindringen von Dialektismen, Jargonismen und Argotismen in die allgemeine Sprache: Samstag (süddt.) – Sonnabend, Rahm (süddt.) – Sahne, Backfisch (aus dem Studentenjargon) – ein junges Mädchen, die Schule schwänzen (aus dem Jargon der Schüler) – die Schule nicht besuchen;

  8. Entwicklung von Neologismen: Füllfederhalter – Sichtfüller;

  9. Die Veränderung der Wortform: Adler = Aar (Adler entstand aus dem mhd. adelar, was „edler Aar“ bedeutete).

Man unterscheidet folgende Arten von Synonymen:

1. Ideographische Synonyme sind Wörter, die eine und dieselbe nominative Bedeutung besitzen, sich aber voneinander durch verschiedene Bedeutungsnuancen und die Besonderheiten des Gebrauchs unterscheiden: Die Wörter ^ Ufer, Strand, Küste, Kai bezeichnen im allgemeinen den Erdrand eines Gewässers, aber jedes dieser Wörter hat seine besondere Bedeutungsschattierung, nähmlich Ufer gebraucht man hinsichtlich eines Flusses, Baches, Küste, Strand- hinsichtlich des Meeres, Kai bezeichnet eine mit Stein befestigte Uferstraße.

Die Reihe Lohn –Gehalt – Gage weist diesselbe Besonderheit auf. Alle diese Wörter bezeichnen die Geldsumme, welche regelmäßig an eine Person ausgezahlt wird. ^ Lohn bezeichnet die Geldsumme, die ein Arbeiter verdient, Gehalt wird in Bezug auf den Verdienst von Angestellten und Beamten verwendet, Gage bezeichnet das, was Künstlern ausgezahlt wird.

2. Stilistische Synonyme unterscheiden sich entweder durch ihre besondere stilistische Färbung oder durch den Gebrauch in verschiedenen funktionalen Stilen: ^ Wellen (neutral) – Wogen, Gesicht (neutral) – Antlitz, Fratze, Pferd (neutral) – Roß, Träne (neutral) – Zähre, weinen (neutral) – heulen. Sich verheiraten – sich verehelichen – ein Weib heimführen – sich beweiben – bezeichnen ein und denselben Vorgang. Sich verehelichen gehört in den sogenannten Amtsstil. Sich verheiraten ist der Ausdruck des täglichen Verkehrs. Ein Weib heimführen kommt nur in der hochpoetischen Ausdrucksweise vor, in der Alltagsrede wirkt es ironisch. Sich beweiben tritt in aufgelockerter etwas derber Redeweise auf.

3. Absolute oder vollständige Synonyme sind solche Wörter, die gleiche dingliche Bedeutungen haben, das heißt die einen und denselbsn Begriff ausdrücken, im Kontext einander ersetzen können und stilistisch neutral gefärbt sind: Schi – Ski, Schneebretter – Schneeschuhe. Auch Wortverbindungen können als Synonyme auftreten: jemandem aufs Haar gleichen, ähnlich sehen, wie ein Ei den anderen gleichen, ähnlich wie ein Tropfen Wasser sein. Alle diese Wortverbindungen bedeuten „sich völlig ähnlich sein“.

Die meisten Reihen vollständiger oder absoluter Synonyme bestehen aus Wörtern deutscher und fremder Herkunft: ^ Bahnsteig – Perron, Ergebnis – Resultat, Rundfunk – Radio, Wagen – Auto.

4. In der deutschen Sprache existieren viele Dialekte, dadurch ist Deutsch an territorialen oder regionalen Dubletten sehr reich: Schlächter – Fleischer – Metzger – Fleischhauer.

Bedeutungsbeziehungen der Ähnlichkeit können manchmal bei einer größeren Anzahl vor Wörtern festgestellt werden, wodurch synonymische Gruppen oder Reihen entstehen. Dabei bedingt das erste Wort den Charakter der ganzen Reihe. Dieses Wort wird als Dominante der synonymischen Reihe bezeichnet. Sie gibt besonders klar die Bedeutung der ganzen Reihe wieder, ist stilistisch neutral und gebräuchlicher als andere synonymische Wörter der Gruppe/Reihe: schnell – geschwind – schleunigst – flugs – hurtig –behende – rasch.


2.1.2. Bedeutungsgegensatz


„Antonym“ ist ein Terminus griechischer Herkunft und bedeutet „Gegen – Name“, das heißt entgegengesetzte Benennung. Also Antonyme sind solche Wörter, die völlig entgegengesetzte Begriffe bezeichnen: Reichtum – Armut, Hitze – Kälte (Substantive), klug – dumm, kalt – heiß (Adjektive), hier – dort, links – rechts, unten – oben (Adverbien), geben – nehmen, leben – sterben, lösen – binden (Verben).

Sehr oft entstehen Antonyme durch Wortbildung. Zur Bildung von Antonymen dienen viele Halbsuffixe (-los, -frei, -voll, -reich) und Präfixe (auf- und zu-; zu- und ab-; ein- und aus-; be-, ver- und ent-; zu- und ent-): freudlos, freudvoll; schmerzenreich – schmerzenlos; zunehmen, - abnemehen, aufmachen – zumachen, einpacken – auspacken, bewässern – entwässern, verhüllen- enthüllen, zukorken – entkorken. Die Präfixe ent-, un-, miß- haben Fähigkeit, dem Wort eine entgegengesetzte Bedeutung zu verleihen: decken – entdecken, Glück – Unglück, Erfolg – Mißerfolg, gelingen – mißlingen.

Man unterscheidet folgende Arten von Antonymen:

1. Kontradiktorische Antonyme. Der kontradiktorische Gegensatz ist ein „strenger“ Gegensatz, er stellt eine logische Negation des gegensätzlichen Begriffs dar: Liebe – Haß, jeder – keiner, Möglichkeit – Unmöglichkeit.

2. Konträre Antonyme sind Wörter, die innerhalb eines Bewertungssystems als Artbegriffe existieren. Unter einem gemeinsamen Gattungsbegriff schließen sie einander aus: fragen – antworten, nehmen – geben.

3. komplimentäre Antonyme sind die Wörter, bei denen die Negation eines Begriffs die Behauptung eines anderen Begriffs veraussetzt: ledig – verheiratet, männlich – weiblich.


^ 2.1.3. Bedeutungsüberordnung und –unterordnung


Beziehungen der Bedeutungsüberordnung und – unterordnung oder hyperonym-hyponymische Beziehungen sind Gattungs-Artbeziehungen. Die Bedeutung des Hyperomyms schließt die Bedeutungen der Hoponyme ein (Inklusionsbeziehungen): Blume ist ein Gattungsbegriff (Hyporonym), Artbegriffe (Hyponyme) sind Rose, Lilie, Veilchen, Narzisse. Möbel (Hyporonym) – Tisch, Schrank, Stuhl (Hyponyme).

Die Bedeutung der Hyponyme können auch Bezeichnungen eines Teils der Bedeutung des Hyporonyms sein.

Die Hyporonym – Hyponym – Beziehungen sind bei der Reihe zu finden: Körper (Hyporonym) – Kopf, Arm, Brust, Bauch usw. (Hyponyme).


^ 2.1.4. Semantische Felder


Die paradigmatischen Bedeutungsbeziehungen der Wörter im lexisch-semantischen System sind auch mit der Wortfeldforschung verbunden. Das Wordfeld ist ein lexikalisch-semantisches Paradigma höherer Ordnung als synonymische Gruppen. Der Begriff des Feldes wurde von Ipsen 1924 eingeführt. Wortfelder stellen eine Gliederung der Spracheinheiten dar, die über die Synonymie hinaus in weiteren semantischen Beziehungen zueinander stehen: Die Felder sind strukturiert als vielschichtige Gebilde. Den Kern des Feldes bildet ein Hyporonym oder ein Archilexem, um dieses gruppieren sich neutrale Lexeme, und in Richtung Periepherie liegen stilistisch markierte Wörter und feste Wortkomplexe/Phraseologismen: tadeln – schimpfen, schelten, zurechtweisen, schmähen – anranzen, abbürsten – jemandem den Kopf waschen.


^ 2.2. Syntagmatische Bedeutungsbeziehungen der lexikalischen Einheiten


Die syntagmatischen Bedeutungsbeziehungen sind im Gegensatz zu den paradigmatischen Beziehungen Anreihungsbeziehungen der sprachlichen Einheiten, die auf dem linearen Charakter der Sprache beruhen. Das sind Beziehungen zwischen Einheiten, die in einem Kontext gemeinsam vorkommen, das heißt in einem Syntagma oder einer Wortverbindung und im Satz. Daher stammt die Bezeichnung syntagmatische Beziehungen.

Die sprachlichen Einheiten, Wörter und Wortkomplexe treten im konkreten Redeakt nicht isoliert auf, sondern verbinden sich im Syntagma und im Satz immer mit bestimmten „Partnern“. Diese Verbindungsmöglichkeiten unterliegen bestimmten Gesetzmäßigkeiten.

Die Verbindbarkeit (Kombinierbarkeit, Vereinbarkeit) nennt man auch Valenz. Unter Valenz wird also die Fähigkeit von Wörtern verstanden, andere Wörter an sich zu binden.

Zwischen Syntagmatik und Paradigmatik besteht ein dialektischer Zusammenhang. Syntagmatische Verknüpfungen sind bereits in den Gesetzmäßigkeiten der paradigmatischen Ebene angelegt. Wenn man zum Beispiel lexisch-semantische Varianten des Wortes „ledig“ in Betracht zieht, stellt man fest, daß sie sich durch verschiedene Kombinierbarkeit unterscheiden: Meine Schwester ist ledig. – Meine Schwester ist der Sorge ledig.

Im ersten Satz fordert „ledig“ nur einen „Nominativpartner“, im zweiten Satz dagegen – zwei Partner (einen im Nominativ und anderen im Genitiv).

Die Wörter (als Valenzträger) fordern bestimmte Kontextpartner mit bestimmten Bedeutungsmerkmalen und schließen andere Kontextpartner mit anderen Bedeutungsmerkmalen aus.


^ Termini zum 2. Kapitel


Antonym, das антоним

kontradiktorisch контрадикторный

konträr контрарный

komplimentär комплиментарный

Antonymie, die антонимия

Anreihungsbeziehungen (Pl) линейные отношения

Archilexem, das (e) архилексема

Artbegriff, der видовое понятие

Bedeutungselement, das (e) сема

Bedeutungsähnlichkeit, die сходство значений

Bedeutungsgleichheit, die идентичность значений

Dominante, die доминанта

Gattungsbegriff, der родовое понятие

fester Wortkomplex устойчивое словосочетание

Halbsuffix, das (e) полусуффикс

Hyperonym, das (e) гипероним

Hyponym, das (e) гипоним

Die Hyporonym – Hyponym-Beziehungen гиперо-гипонимические отношения

lexisch-semantisches System (LSS) лексико - семантическая система (ЛСС)

lexisch-semantische Variante (LSV) лексико - семантический вариант (ЛСВ)

Paradigma, das парадигма

Paradigmatik, die парадигматика

paradigmatische Beziehungen парадигматические отношения

Relation, die отношение

semantisches Feld семантическое поле

Synonym, das (e) синоним

ideografisch идеографический

absolut абсолютный

vollständig полный

stilistisch стилистический

Synonymie, die синонимия

synonymische Gruppe/Reihe синонимическая/ий группа/ряд

Syntagmatik, die синтагматика

syntagmatische Beziehungen синтагматические отношения

Valenz, die валентность

Verbindbarkeit, die валентность

Wortverbindung, die словосочетание


Fragen zur Selbstkontrolle


1. Was versteht man unter LSS?

2. Nennen Sie 5 Grundtypen der Bedeutungsbeziehungen im Wortschatz.

3. Definieren Sie Synonyme.

4. Welche Arten der Synonyme kennen Sie?

5. Nennen Sie die Hauptwege der Entstehung der Synonyme.

6. Führen Sie die Beispiele von territorialen Dubletten an.

7. Führen Sie ein Beispiel der synonymischen Reihe an.

8. Wodurch unterscheiden sich ideographische Synonyme von den absoluten Synonymen?

9. Definieren Sie Antonyme.

10. Nennen Sie Hauptarten der Bedeutungsgegensätze.

11. Was wird unter Hyporonym - Hyponym - Beziehungen verstanden?

12. Was versteht man unter semantischen Feldern (Wortfeldern)?

13. Worin bestehen syntagmatische Beziehungen?

14. Auf welche Weise sind syntagmatische und paradigmatische Beziehungen verbunden?

15. Definieren Sie Valenz der Wörter.


Aufgaben zum 2. Kapitel


Aufgabe 1. Finden Sie in folgenden synonymischen Wortreihen die ideographischen und stilistischen Synonyme.

  1. Putz, Schmuck, Zierde, Zierat, Verzierung.

  2. Klug, weise, verständig, gescheit.

  3. Ort, Platz, Stelle, Stätte.

  4. Knabe, Bube, Junge, Bursche.

  5. Kleid, Kleidung, Anzug, Gewand, Tracht.

  6. Essen, fressen, speisen, genießen.

  7. Klein, gering, wenig, winzig.

  8. Gehalt, Besoldung, Lohn, Lohnung, Sold, Gage, Honorar.

  9. Begehren, verlangen, wünschen, Lust haben, gelüsten, sich sehnen.

  10. loben, rühmen, preisen, herausstreichen.

  11. Rennen, stürmen, rasen, sausen, eilen, pesen.

  12. Gesicht, Antlitz, Visage, Fratze.

  13. Genial, begabt, talentvoll.

  14. Weinen, schluchzen, wimmern.

Aufgabe 2. Führen Sie absolute Synonyme (synonymische Dubletten) an.

a) Entlehnung – Stammwort.

Telefon - Dessert –

Auto - Budget –

importieren - Branche –

Infektion - Bieographie –

Fiasko - Echo –

b) Stammwort-Entlehnung

Osten - Selbstsucht –

Wirklichkeit - Prüfung –

Weltfestspiele - Sinnbild –

Rechtsanwalt - Ersatz –

schöngeistige Literatur - Duldsamkeit –

Aufgabe 3. Finden Sie Antonympaare.

sich nähern, breit, verlängern, entschlossen, leichtsinnig, schmal, besonnen, verzögern, schwankend, beschleunigen, sich entfernen, annehmen, selten, aufbauen, verkürzen, abreißen, ablehnen, gesund, ankommen, krank, erschweren, häufig, uppig, erleichtern, gezwungen, kärglich, freiwillig.

Aufgabe 4. Bilden Sie mit Hilfe der Wortbildungsmittel (ver-, ent-, miß-, aus-, nach-, un-, an-, nicht-, -los, ab-, a-, -voll) Antonyme.

  1. kaufen - , mieten - , achten - ;

  2. vermienen - , verhüllen - , verkorkern - ;

  3. gefallen - , gelingen - , Erfolg - ;

  4. beflecken - , bewässern - , fesseln - ;

  5. eingehen - , eintreten - , einfliegen -;

  6. zumachen - , zunehmen - , anbinden - ;

  7. nachmittag - , Vorteil - , Nachwort - ;

  8. Ordnung - , Sinn - , gesund -;

  9. Sein - , organisch - , logisch - ;

  10. erfolgreich - , fehlerhaft - , inhaltsreich - ;

  11. sorgenfrei - , machtlos - , menschenleer - ;

  12. Neigung - ; anwesend - ; angewöhnen - ;

Aufgabe 5. Führen Sie Hyponyme zu den Hyperonymen „Lehrer“, „Blume“ an.

Aufgabe 6. (Testaufgabe)


1. In welchem Bereich bestehen die paradigmatischen Beziehungen?

a) im Redeakt b) im Sprachsystem c) im Vokalsystem


2. Die syntagmatischen Beziehungen bestehen ... .

a) im Sprachsystem b) im Konsonantensystem c) im Redeakt


3. Die Synonyme „sich verheiraten“ und „sich verehelichen“ gehören zu den ... Synonymen.

a) ideographischen b) absoluten c) stilistischen


4. Die Wörter „Schlächter“ und „Metzger“ sind ... .

a) stilistische Synonyme b) territoriale Dubletten c) ideographische Synonyme


5. Die Wörter „Schi“ und „Ski“ betrachtet man als ... Synonyme.

a) ideographische b) stilistische c) vollständige


6. Welches Wort stellt die Dominante in der synonymischen Reihe: geschwind- schnell – rasch – schleunigst – flugs – hurtig – behende dar:

a) geschwind b) rasch c) schnell


7. Wieviele „Partner“ im Satz braucht die LSV „ledig“ in der Bedeutung „frei von Sorgen sein“?

a) drei b) zwei c) einen


8. Der Umfang eines Wortfeldes (eines semantischen Feldes) im Vergleich zur synonymischen Gruppe oder Reihe ist:

a) kleiner b) größer c) gleich


9. Welches Wort in der Reihe „Blume – Rose - Nelke“ kann als Hyporonym bezeichnet werden?

a) Rose b) Blume c) Nelke


10. Welches Wort in der Reihe „Schrank – Möbel - Möbelstück“ kann als Hyponym bezeichnet werden?

a) Möbelstück b) Schrank c) Möbel


11. Die Antonyme „männlich – weiblich“ gehören zu den ... Antonymen:

a) kontradiktorischen b) komplimentären c) konträren


12. Die Wörter „fragen - antworten“ sind ... Antonyme:

a) konträre b) komplimentäre c) kontradiktorische


13. Die Wörter „Sein - Nichtsein“ sind ... Antonyme:

a) komplimentäre b) kontradiktorische c) konträre


14. Die Wörter „Vater“ und „Mutter“ sind ... Antonyme:

a) kontradiktorische b) komplimentäre c) keine Antonyme


15. Die Wörter „Wagen“ und „Auto“ weisen die Beziehungen ... auf:

  1. der Bedeutungsähnlichkeit

  2. der Bedeutungsgleichheit

  3. der Bedeutungsüberordnung und –unterordnung


Kapitel 3. Bedeutungswandel (semantische Derivation)


3.1. Allgemeins


Unter Bedeutungswandel oder semantischer Derivation versteht man die Veränderung der Bedeutung schon existierender Wörter. Die Teildisziplin der Lexikologie, die die Bedeutung der Wörter und die Wandlung der Bedeutung der Wörter erforscht, heißt Semasiologie oder Semantik. Der Terminus Semantik ist griechischer Herkunft: semantikos – eigentlich „der Bezeichnende“, „der Bedeutende“. Die Semantik des Wortes ist also die Bedeutung des Wortes. Der Bedeutungwandel gehört zu einem der Hauptwege der Bereicherung des Wortschatzes der Sprache.

Die Bedeutung des Wortes läßt sich nicht als etwas Konstantes, Beständiges, als etwas für alle Zeiten Stabiles betrachten. Die Bedeutung des Wortes kann sich ändern. Das geschieht oft gleichzeitig mit der Veränderung der Denotate (Gegenstände und Erscheinungen).


^ 3.2. Ursachen des Bedeutungswandels


Die meisten deutschen Wörter haben mehrere Bedeutungen und sehr oft entstehen neue Bedeutungen eines Wortes durch den Bedeutungswandel, der durch viele Ursachen bedingt ist. Was diese Ursachen anbetrifft, spricht man von linguistischen und extralinguistischien (historischen, sozialen und sogar psychischen) Gründen. Zu den wichtigsten Gründen kann die Sprachökonomie gezählt werden. Die Zahl der Denotate (Gegenstände und Erscheinungen der Wirklichkeit) ist unendlich, die Zahl der Wörter ist dagegen begrenzt, deshalb erhalten die Wörter neue Bedeutungen.

Die extralinguistischen Ursachen können verschiedener Natur sein. Am häufigsten ist es historisch-kultureller Wandel im Leben der Menschen, der zur Entwickling neuer Begriffe führt. Die Veränderung von Denotaten (Gegenständen) kann auch zum Bedeutungswandel führen. Viele Wörter werden zunächst nur von einer engeren sozialen oder beruflichen Gruppe als sozialbeschränktes Wort oder Fachausdruck gebraucht. Später können diese Wörter in die allgemeine Sprache übergehen. Auch der Wunsch, den sprachlichen Eindruck zu verstärken oder zu mindern, kann eine Ursache des Bedeutungswandels sein (das Streben nach Ausdrucksverstärkung oder Affekt und das Streben nach Ausdrucksabschwächung oder Euphemismus).


^ 3.3. Die Arten des Bedeutungswandels


Es gibt zwei Systeme der Gliederung des Bedeutungswandels, ein logisches und ein psychologisches. Die logische Klassifikation basiert auf dem quantitativen Vergleich der Bedeutungen eines Wortes vor und nach dem Bedeutungswandel. Die psychologische Gliederung geht von Assoziationen aus. Die logische Klassifikation wird von Linguisten bevorzugt, weil sie einfacher ist und alle Fälle des Bedeutungswandels umfaßt. Nach dieser Klassifikation lassen sich folgende Arten des Bedeutungswandels unterscheiden:

  1. Bedeutungserweiterung;

  2. Bedeutungsverengung;

  3. Metaphorische Übertragung der Namensbezeichnung;

  4. Metonymische Übertragung der Namensbezeichnung;

  5. Wertsteigerung (Melioration) und Wertminderung (Pejoration) der Bedeutung;

  6. Euphemismus;

  7. Übertreibung der Wortbedeutung (Hyperbel);

  8. Abschwächung der Wortbedeutung (Litotes).

Der Bedeutingswandel ist nicht nur in einzelnen Wörtern, sondern auch in Wortverbindungen zu finden.


^ 3.3.1. Bedeutungserweiterung und Bedeutungsverengung


Erweiterung der Bedeutung ist das Resultat der Entwicklung des semantischen Umfangs des Wortes vom Einzelnen zum Allgemeinen, vom Konkreten zum Abstrakten. Die Bedeutung des Wortes erweitert sich, und das Wort selbst beginnt einen weiteren Begriff zu bezeichnen. Die Bedeutungserweiterung besteht also in der Verallgemeinerung der ursprünglichen Bedeutung. Die Entwicklung der Bedeutung führt zur Erweiterung des Gebrauchsgebietes des Wortes: Stube, ursprünglich „Heizvorrichtung für ein warmes Bad“, dann „ein mit dieser Vorrichtung versehenes Badezimmer“, später „ein heizbares Zimmer“ und endlich „ein Zimmer“ überhaupt; Mütze, ursprünglich „Kleidungsstück eines Geistlichen, das Kopf und Schulter bedeckte“, heute – „Kopfbedeckung“.

In der Regel führt die Erweiterung des semantischen Wortumfangs nicht zur Mehrdeutigkeit des Wortes und ist mit dieser nicht identisch. Für ein polysemes Wort ist kennzeichnend, daß dieses Wort mehrere Denotate (Gegenstände und Erscheinungen) bezeichnet und infolgdessen auch mehrere Bedeutungen besitzt. Für die Erweiterung der Bedeutung ist dagegen typisch, daß ein Wort nur ein Denotat (Gegenstand und Erscheinung) bezeichnet, das heißt nur eine allgemeine sachliche Bedeutung besitzt, der semantische Umfang und das Gebrauchsgebiet des Wortes hat sich aber erweitert. Der parallele Terminus für die Bedeutungserweiterung ist die Generalisierung der Bedeutung. Die Bedeutungserweiterung ist oft eine Begleiterscheinung des Übergangs der Wörter aus einem fachsprachlichen Bereich in die Allgemeinsprache.

Die Bedeutungsverengung ist ein Gegenstück zu Bedeutungserweiterung. Parallele Bezeichnung ist Spezialisierung der Bedeutung. Die Verengung der Bedeutung entsteht als Ergebnis der semantischen Entwicklung eines Wortes vom Allgemeinen zum Einzelnen, vom Abstrakten zum Konkreten. Die Bedeutung des Wortes verengt sich, und das Wort beginnt infolgdessen einen engeren, einen Einzelbegriff auszudrücken. Die Verengung des Bedeutungsumfangs führt auch zur Begrenztheit des Gebrauchsgebiets des Wortes mit sich: Dach, ursprünglich allgemein „das Deckende“, heute nur „das Dach eines Hauses“; Lid, ursprünglich „Deckel“ überhaupt, heute nur „Augendeckel“; Brief, ursprünglich „kurzes offizielles Schriftstück“, „Urkunde“, heute „eine schriftliche Mitteilung auf Entfernung, die gewöhnlich per Post gesandt wird“.


^ 3.3.2. Metaphorische Übertragung der Namensbezeichnung


Metapher (aus griech. meta – „über“, phero – „trage“) bedeutet eigentlich Übertragung. Ihr liegen Assoziationen nach der Ähnlichkeit zugrunde. Für die Metapher ist ein latenter Vergleich kennzeichnend.

Es gibt zwei Arten der Metapher: die stilistische und die lexikalische. Die stilistische Metapher ist viel ausdrucksvoller, bildhafter als die lexikalische, aber schafft keine neuen Bedeutungen der Wörter. Sie dient nur stilistischen Zwecken: die Flamme der Liebe, ein Strom von Erinnerungen. Es gibt verschiedene Abarten der Ähnlichkeit, die die metaphorische Übertragung hervorrufen können:

  1. Ähnlichkeit der Form: Nadelkopf, Landzunge, Flaschenhals, Bergrücken, Stuhlbein, Schlange in der Bedeutung „eine Reihe wartender Menschen“, Augapfel;

  2. Ähnlichkeit der Charakterzüge oder des Äußeren: ein schöner Mann – Apollo, eine schöne Frau – Venus, ein eifersüchtiger Mensch – Othello;

  3. Ähnlichkeit eines inneren Merkmals, einer Eigenschaft: bittere Worte, süßer Ton, trockene Worte, harte Stimme;

  4. Eine große Gruppe von Metaphern bildet die Übertragung vom Tier auf den Menschen: Hund „gemeiner Kerl“, Fuchs „listiger Mensch“, Esel „dummer Mensch“, Schwein „schmutziger Kerl“, büffeln, ochsen „strumpfsinnig lernen“;

  5. Eine ganz besondere Art der Metapher ist die Personifizierung, die Übertragung der Eigenschaften eines Lebewesens auf Gegenstände oder Erscheinungen: der Wind erhebt sich, die Augen sprechen, die Jahre gehen, das Leben geht weiter;

  6. Ähnlichkeit der Funktion: Fuß eines Berges, eines Gefäßes;

  7. Namensübertragung von Sachen auf Menschen: Leuchte „berühmter Fachmann, kluger Kopf“, Kratzbürste „widerborstige Frau“, Klotz „unbeholfener Mensch“;

  8. Übertragungen aus dem Konkreten in das Abstrakte: Spur, ursprünglich „der Eindruck, der die Fußtritte eines Tieres, eines Menschen auf dem Erdboden hinterlassen“, später bezeichnet das Wort auch „die Abdrücke von Wagenrädern“, infolge der metaphorischen Übertragung bekommt das Wort Spur auch einen abstrakten Sinn;

  9. Ähnlichkeit der Farbe: die Grünen „Angehörige einer Partei, die für Umweltschutz auftritt“


3.3.3. Metonymie


Unter Metonymie wird die Übertragung der Namensbezeichung von einem Gegenstand auf einen anderen auf Grund eines logischen Verhältnisses zwischen diesen Gegenständen verstanden. Im Gegensatz zu der Metapher liegt hier keine Ähnlichkeit oder kein latenter Vergleich zugrunde. Das Wort Metonymie bezeichnet eigentlich „die Umbenennung“ (aus griech. meta – „über“ und onoma – „Name“).

Bestimmte räumliche, zeitliche, stoffliche, kausale und andere Verhältnisse liegen der metonymischen Übertragung zugrunde:

  1. Die Namensübertragung auf Grund der Beziehung zwischen dem Ganzen und dessen Teil – Synekdoche: er ist ein kluger Kopf statt kluger Mensch (der Teil für das Ganze), die ganze Welt klatschte Beifall (wird gemeint eine Gruppe von Menschen, in diesem Fall umgekehrt das Ganze vertritt den Teil);

  2. Namensübertragung vom Raum auf die sich dort befindlichen Menschen: Stadt anstatt Einwohner, Haus anstatt Bewohner, die ganze Schule anstatt Schüler, das Auditorium anstatt Zuhörer;

  3. Namensübertragung vom Behälter auf das, was sich darin befindet: Glas statt Bier, Flasche statt Wein, Tasse statt Tee, Kaffee;

  4. Übertragung von der Benennung des Ortes auf das, was dort hergestellt wird: Havanna, Mokka, Champagner, Eau de Kologne;

  5. Übertragung vom Namen des Schöpfers auf sein Werk: Ohm, Guillotine, Röntgenstrahlen, Kochstäbchen, Herz, Mackintosch;

  6. Namensübertragung von dem Stoff auf den Gegenstand der daraus hergestellt wird: Glas – ein Gefäß, nach dem Material benannt;

  7. Übertragung der Namensbezeichnung von der Handlung auf das Resultat: sammeln – Sammlung, zeichnen – Zeichnung, senden – Sendung;

  8. Zeitliche Bedeutungsbeziehungen: Mittag „Essen, Mittagessen“, früher „Zeitpunkt, Tagesmitte“;

  9. Namensübertragung von einem Körperteil auf ein Kleidungsstück: Kragen bedeutete ursprünglich „Hals“;

  10. Übertragung von einem Kleidungsstück auf einen Körperteil: Schoß bezeichnet eigentich den „unteren Teil der Kleidung“, metonymisch auch „Knie“.


^ 3.3.4. Wertsteigerung und Wertminderung der Bedeutung


Unter der Wertsteigerung vertseht man solch einen Prozeß, demzufolge das Wort eine neue, erhabene, bessere Bedeutung bekommt: Die Grundbedeutung des Wortes Marschall war eigentlich „Pferdeknecht“, dann bezeichnete dieses Wort den Stallmeister eines Fürsten, mit der Entwicklung der feudalen Gesellschaft wurde das Wort der Marschall allmählich zur Bezeichnung eines der Hofämter und eines der Militärränge.

Unter der Wertminderung der Bedeutung wird solch ein Prozeß verstanden, dem zufolge das Wort eine andere in ihrem Wert verminderte Bedeutung bekommt: das Adjektiv schlecht bedeutete ursprünglich „in gerader Linie laufend“, „glatt“, „eben“. Zur Zeit „geringwertig“, „nicht gut“. Die alte Bedeutung ist erhalten in den Wörtern: schlechthin (типичный), schlechtweg (просто-напросто).


3.3.5. Euphemismus


Euphemismus ( aus griech. eu „gut“ und phemi „sprechen“) bedeutet also „gut sprechen“ anstatt die Dinge bei ihrem Namen zu nennen.

Die Euphemismen sind verhüllende oder verschönernde Ausdrücke. Sie werden aus zweierlei Gründen gebraucht: aus Gründen des Aberglaubens oder des Anstandes. Der letzte Grund ist heute ausschlaggebend: man will unanständige oder unangenehme Wörter und Ausdrücke vermeiden und sie durch schönere oder verhüllende ersetzen.

Man unterscheidet:

  1. religiöse Euphemismen: der Allerwissende, der Allmächtige, Er, himmlicher Richter (anstatt des Wortes Gott), Böse, Schwarze, böser Feind, Deibel (statt des Wortes Teufel);

  2. sozial-moralische: dichten, phantasieren (lügen); sich benebeln, zu tief ins Glas sehen (betrunken sein), Freudenmädchen (Prostituierte); klemmen, klauen, mausen, lange Finger haben (stehlen), aus dem Wege schaffen, umlegen, kalt machen (jemanden töten);

  3. politische Euphemismen: Annexion statt Länderraub;

  4. gesellschaftlich-ästhetische Euphemismen: Appertement, Kabinett, ein gewisser Ort, Befreiungsstelle, Toilette für Abort; in der Hoffung sein, in anderen Umständen sein für schwanger sein, die Augen für ewig schließen für sterben.


^ 3.3.6. Übertragung der Wortbedeutung (Hyperbel)


Für die Hyperbel ist die übertriebene Darstellung verschiedener Merkmale und Eigenschaften der Gegenstände und Vorgänge kennzeichnend: irgendwas tausendmal sagen statt vielmals; jemanden eine Ewigkeit nicht sehen statt jemanden lange nicht sehen, eine Welt von Gedanken, tausend Dank, vor Langeweile sterben.

Die Hyperbel dient nicht nur den Zwecken des Emotionsdrucks, sondern auch der Bereicherung des Wortschatzes. Es entstehen sinnwervandte Wörter und Wortverbindungen: vielmals und vieltausendmal, sehr hungrig und wolfshungrig, jemanden lange nicht sehen und jemanden eine Ewigkeit nicht sehen.


3.3.7. Litotes


Unter Litotes versteht man die im Vergleich zu der Wirklichkeit übertriebene Abschwächung der Aussage: zu einer Tasse Tee einladen, zu einem Löffel Suppe einladen; im Augenblick kommen.


Termini zum 3. Kapitel


Bedeutungserweiterung, die расширение значения

Bedeutungswandel, der изменение значения

Bedeutungsverengung, die сужение значения

Euphemismus, der эвфемизм

Fachausdruck, der профессиональное выражение

Generalisierung (der Bedeutung), die генерализация (расширение) значения

Hyperbel, die гипербола

Litotes, die литота

linguistische und extralinguistische

Ursachen языковые и внеязыковые причины

Metapher, die метафора

metaphorische Übertragung метафорический перенос

Metonymie, die метонимия

metonymische Übertragung метонимический перенос

Semantik, die семантика

semantische Derivation семантическая деривация

Spezialisierung (der Bedeutung), die специализация (сужение) значения

übertragene Bedeutung перенос значения

Übertragung der Namensbezeichnung перенос названия

Wertminderung, die ухудшение (пейорация) значения

Wertsteigerung, die улучшение (мелиорация) значения


Fragen zur Selbstkontrolle


  1. Definieren Sie den Terminus „Bedeutungswandel“.

  2. Nennen Sie die Ursachen des Bedeutugswandels.

  3. Welche parallele Bezeichnung für den Terminus „Bedeutungswandel“ ist Ihnen bekannt?

  4. Zählen Sie die Arten des Bedeutungswandels auf.

  5. Wodurch unterscheiden sich die logische und die psychologische Klassifikationen des Bedeutungswandels?

  6. Was wird unter mataphorischer Übertragung verstanden?

  7. Welche Arten von Metaphern kennen Sie?

  8. Worin besteht die metonymische Übertragung?

  9. Nennen Sie die Arten der metonymischen Namensübertragung.

  10. Was versteht man unter Bedeutungserweiterung und –verengung?

  11. Definieren Sie die Wertsteigerung und Wertminderung der Bedeutung.

  12. Was wird unter dem Euphemismus verstanden?

  13. Definieren Sie Hyperbel.

  14. Was wird in der Linguistik als Litotes betrachtet?




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